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NACHHALTIGKEIT

„Wir müssen von Grund auf umdenken“

Herr Lampert, warum wird Nachhaltigkeit jetzt plötzlich so wichtig?

Aktuell steht die größte Herausforderung für die Menschheit vor der Tür: Wie gehen wir mit dem Klimawandel um? Wir müssen von Grund auf umdenken. Und da gibt es aus meiner Sicht nur einen Weg: Nur wenn wir als Gesamtheit beginnen, radikal nachhaltig zu denken, zu empfinden, zu handeln und zu wirtschaften, werden wir eine Zukunftschance haben.

Und was bedeutet „nachhaltig“ für Sie?

Nachhaltigkeit hat eine ökologische, eine ökonomische und eine soziale Säule. Wir müssen unsere Umwelt und die natürlichen Ressourcen schonen. Wir brauchen Wirtschaftsweisen für dauerhaften Wohlstand, und nicht nur kurzfristigen Ertrag. Und es ist wichtig, dass die Stücke des Kuchens fair verteilt werden. Alle, die an der Herstellung eines Produktes mitwirken, müssen anständig für ihre Arbeit entlohnt werden.

Ist Nachhaltigkeit Voraussetzung für Qualität?

Ich bin überzeugt, dass nachhaltiges Wirtschaften zu einem anderen Verständnis von Qualität führen wird. Die Konsumentinnen und Konsumenten werden nicht immer nur das billigte Produkt kaufen, sondern am Ende des Tages stolz auf ihre Butter vom österreichischen Bergbauern sein. Das funktioniert aber nur, wenn Transparenz gegeben ist, wenn wir nachvollziehen können, von wem wir unsere Produkte beziehen.

Zu zeigen, wer hinter dem Produkt steht, ist das der Schlüssel zum Vertrauen?

Nachhaltigkeit verlangt nach Nähe. Mit der Vorstellung, dass hinter jedem Produkt ein Mensch steht, der Arbeit geleistet hat, wird Vertrauen geschaffen. Niemand vertraut in ein anonymes System. Deshalb ist Transparenz das Um und Auf. Wenn ich jemanden kenne, der für mich etwas tut, schafft das emotionale Nähe. Und in der Nähe passiert die Rücksichtnahme.

Aber da gilt es wohl auch noch die Käuferin und den Käufer zu überzeugen …

Umfragen zeigen, dass rund 40 % der Österreicherinnen und Österreicher wissen wollen, woher ein Lebensmittel kommt und wie es produziert wurde. Und das geht noch weiter: Nur wenn unser T-Shirt fair produziert wurde, können wir das mit einem guten Gewissen tragen. Mit jeder Kaufentscheidung stimmen wir darüber ab, wie die Qualität unserer Produkte in Zukunft sein wird.

Das heißt, dass wir alle Verantwortung übernehmen müssen?

Es gibt den Begriff Verantwortungsethik des Soziologen Max Weber, dorthin müssen wir uns entwickeln. Es gilt zu verstehen, dass jede Handlung, die wir setzen, Auswirkungen hat. Nachhaltiges Wirtschaften erfordert gegenseitige Verantwortung von allen Beteiligten – von den Produzenten über die verarbeitenden Betriebe bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten.

Lässt sich nachhaltiges Wirtschaften überhaupt messen?

Der ökologische Fußabdruck ist ein erster, wichtiger Schritt zur Bewertung. Da zeigt sich, dass nachhaltige Produkte in der Herstellung wesentlich geringere CO2-Emissionen erzeugen und weniger Wasser verbrauchen. Auch die Biodiversität ist besser. Darüber hinaus laufen derzeit auch international zahlreiche Aktivitäten für ein „Nachhaltigkeits-Labeling“.

Und was ist Ihr Rat für die Zukunft?

Wenn wir konsequent den Weg der Nachhaltigkeit gehen, werden wir unserer Verantwortung für diese Welt und unsere Nachkommen gerecht. Wir alle müssen in unseren täglichen Handlungen Zeichen setzen. Nur so können wir die Zukunft bewältigen.

 

 Interview: Helmut Wolf